Korea
ist bei den meisten Leuten der Begriff für eine schnell
wachsende Volkswirtschaft in Ostasien. Produkte dieses Landes
– vor allem denen der Automobilbrosche - wird eine starke
Ähnlichkeit zu deutschen Gütern zugeschrieben. Und damit endet
auch meist schon das Wissen über den kleinen Inselstaat,
welcher sich mit seinem einzigen Nachbarland im Krieg
befindet.
Korea ist kein
Touristenland… Es ist stark industrialisiert
und hat eine doppelt so große
Bevölkerungsdichte wie Deutschland. Zudem
lässt sich die Landschaft dort recht einfach
beschreiben: gebirgig. 70% der Landmassen
teilen sich die vier bewaldeten
Hauptgebirgszüge, welche nicht wirklich hoch
sind (höchster Berg auf dem Festland:
Jirisan 지리산 mit 1915m)
aber dafür sehr steil und felsig.
Klettertechnisch gesehen ist Südkorea schon
ein bisschen bekannter. Jedoch nicht wegen
den Klettergebieten sondern mehr durch die
starken Wettkampfkletterer. Und Korea ist in
einem Kim-Jain-Fieber… Kletterhallen und
Boulderhöhlen schießen aus dem Boden und
machen Koreaner extrem stark! Aber das
Interesse der Kletterer liegt vorwiegend am
Plastik und dem direkten Vergleich bei
Wettkämpfen. So werden oftmals
Kletterwochenenden in anderen Hallen geplant
- was soll man dazu noch sagen… Vielleicht
sollte gesagt werden, dass es auch Koreaner
gibt die rausfahren zum Klettern. Es gibt
zahlreiche Sportklettergebiete in denen von
Granit über Sandstein bis hin zu Kalk alles
zu finden ist. Das bekannteste und
beliebteste Gebiet (Seonunsan
선운산) bietet
Kletterei wie die Fränkische: steil, löchrig
und relativ kurz.
Bouldertechnisch
sieht es nochmals anderes aus. Das Klettern
in Absprunghöhe ist in Korea noch nicht
wirklich angekommen. Ein paar kletternde
Ausländer haben in den letzten 4-5 Jahren
einige kleiner Gebiete erschlossen, jedoch
sind die Besten davon offiziell geschlossen
worden. Wie bei uns ist der Vorwand
Naturschutz, nur hier sind es nicht Vögel
oder irgendwelche komischen Moose die
schützendeswert sind. Gemunkelt wird, dass
sich in diesem Gebiet (nahe der Hauptstadt
Seoul) Tiger wieder angesiedelt haben.
In
Busan (부산)
hat sich eine kleine aber feine Bouldercrew
gefunden, welche fleißig sucht und putzt.
Das Ergebnis sind Bouldergebiete, die sich
qualitativ nicht verstecken müssen. Im
Süden der Republik lassen sich
Bouldergebiete recht einfach
charakterisieren. Befinden sich die Gebiete
auf den Hügeln, so handelt es sich um Granit
und erinnert ein bisschen ans Bouldern im
Fichtelgebirge. Die Blockansammlungen im Tal
sind meist strukturreiche, reibungsarme
Bachbettboulder. Es gibt aber auch Gebiete,
welche nur mit Fischerbooten erreicht werden
können und mittlerweile freuen sich die
Fischer schon wenn wieder die komischen
Langnasen mit Matten kommen. Diese kleinen
Inseln vor der Millionenstadt machen den
heißen und feuchten Sommer einigermaßen
erträglich.
Die eigentliche
Saison beginnt im September und endet im
Mai. In dieser Zeit kann von blauem Himmel,
extrem trockener Luft und kühlen
Temperaturen ausgegangen werden (im Winter
2010/2011 gab es, glaube ich, einen Regentag
in 4 Monaten).
Allem in Allem ist
Korea eine Reise wert, jedoch ist die Dichte
an erschlossen Bouldern noch vergleichsweise
gering. Das Potenzial für neue Linien ist
immens und viele offene Projekte warten
eigentlich darauf gemacht zu werden. Auch
ist die Kletterszene hier sehr
aufgeschlossen und freut sich über Besucher.
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Kontakt:
Christoph Lindenberger